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Mein Chef, das Arschloch. Zeit für ein neues Verständnis von Führung

Viele Menschen denken noch immer, Hundeerziehung hätte etwas mit Autorität, mit Macht, Kadavergehorsam und Dominanz zu tun. "Ein Hund muss wissen, wo sein Platz ist!". Und er wird ihm zugewiesen, notfalls mit Drill, Härte und Schrecken. Viele verteidigen diese Sichtweise mit Zähnen und Klauen, kein noch so logisches Argument oder lerntheoretische Fakten bringen sie davon ab. Ich glaube, diese Vehemenz liegt gar nicht nur in einer falsch verstandenen Beziehung zum Hund begründet, sondern in einem seltsamen Verständnis von "Führung".

 

Immer schön nach unten treten!

 

Schaut Euch doch einmal an, wie in den meisten Chefetagen geherrscht wird. Motivation? Eh, Quatsch mit Soße! Wenn der Mitarbeiter etwas gut macht, ist das selbstverständlich. Wenn ein Fehler passiert, gibt es eben Anschiss! Druck wird grundsätzlich von oben nach unten weitegegeben. Eigenes Verhalten reflektieren? Bitte was? Wozu bin ich der Chef? Heiliger Bimmbamm! Da führen sich Vorgesetzte auf wie wütende Vierjährige, und man soll sie ernst nehmen? Habt Ihr Respekt vor jemandem, der Euch jeden Tag spüren lässt, dass Euer Schicksal mehr oder weniger von seinen Gnaden abhängt?
Führungskraft ist häufig leider noch immer gleichbedeutend mit Schreckensherrschaft. Da wird geschrien, gepöbelt und Druck aufgebaut, gemobbt und gefletscht. Fehler von oben werden nach unten durchgetreten. Aber das Schlimmste ist: Es wird an allen Ecken und Enden mit Lob gegeizt. Als würde man das Team zu verzogenen, aufmüpfigen Meuterern machen, wenn man gute Leistungen honoriert! Viele haben dieses grässliche Bild von Führung so verinnerlicht, dass sie gar nicht mehr darüber nachdenken, was da eigentlich geschieht.

 

Lob, Motivation, Wertschätzung: So einfach. So selten.

 

Denn eigentlich respektieren wir doch auch in menschlichen Hierarchien denjenigen am meisten, der auch uns mit Respekt begegnet. Der uns vor Angriffen von außen schützt. Der sich vor uns stellt, wenn wir ein Problem haben. Der uns und unsere Arbeit wertschätzt und uns dies auch sagt. Wir möchten gesehen werden mit dem, was wir können und was wir leisten. Wenn wir uns eine Chefin oder einen Chef wünschen dürften, für den wir gerne arbeiten, dann ist das doch nicht der wutschäumende Berserker, der (vermeintlich) Macht demonstriert. Es ist jemand, der uns anleitet, unterstützt, auch einmal konstruktiv kritisiert, aber immer fair, sachbezogen und positiv agiert. Der unsere Arbeit angemessen honoriert und auch menschlich spüren lässt, dass er gut findet, was wir machen. Es ist eben nicht derjenige ein guter Chef, der am lautesten schreit und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Sondern der, der das Team stärkt und zusammenhält. Lob, Motivation und Wertschätzung kosten NICHTS! Es ist fast schon lächerlich einfach, jemanden durch ein wenig Aufmerksamkeit und warme Worte zu besseren Leistungen zu bringen. Aber dazu müssten Führungskräfte eben auch echte Führungskräfte sein.

 

Was Urmel sagt! Das Verständnis von Führung ist auch im zwischenmenschlichen Bereich mitunter haarsträubend. Urmel, einer der besten Hunde der Welt, hat aber natürlich immer recht. ♥
Was Urmel sagt! Das Verständnis von Führung ist auch im zwischenmenschlichen Bereich mitunter haarsträubend. Urmel, einer der besten Hunde der Welt, hat aber natürlich immer recht. ♥

Schöner lernen

 

Genauso bei Lehrkräften. Welche Lehrerinnen und Lehrer haben Euch früher positiv beeinflusst? Von welchen habt Ihr am meisten gelernt und vor welchen hattet Ihr zu Eurer Schulzeit den größten Respekt? Genau. Es waren nicht die, die einen bloßgestellt haben, die Strafaufgaben verteilt haben und bei denen man vor lauter Angst Bauchschmerzen vor der Stunde bekam. Nein! Eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer sind fair. Sie sind ruhig und besonnen. Sie erklären komplizierte Sachverhalte so, dass alle Kinder sie verstehen. Sie nehmen Rücksicht, sind konsequent, immer gerecht und dadurch berechenbar. Sie motivieren die Kinder! Sie halten sich nicht nur an dem fest, was ein Kind nicht kann, sondern bestärken es darin, was es gut kann.

 

Wahre Stärke

 

Wir wissen also recht genau, wie wir gerne lernen und arbeiten würden. Was uns immer, auch bei der Hundeerziehung im Weg steht, ist der veraltete Begriff von Führung, der noch immer in vielen Köpfen herumspukt. Und nein, das ist kein vermenschlichender Blick auf Tiere. Denn die Prinzipien der Lerntheorie gelten für Mensch und Hund gleichermaßen. Wer Stresshormone ausschüttet und Angst hat, kann nichts lernen! Positive Verstärkung und Motivation können so viel machtvoller sein, als Strafe und Druck. Wahre Stärke liegt jenseits von plumper Machtdemonstration. Das gilt für Lehrer, Chefs und Hundebesitzer gleichermaßen.

Foto: Steffi Atze

Inhaberin: Isabel Boergen ♥ Hundetrainerin

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