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Pfeilschneller Rückruf mithilfe der Hundepfeife

Weltstadt mit Hund Hundeblog München Neuhausen

 

Eines der größten Rätsel beim Thema Rückruf für mich ist, weshalb so viele Hundehalter*innen keine Hundepfeife  nutzen. Wird ein Hund richtig darauf konditioniert, mündet sie in einem bombenfesten Rückruf, der auch unter Ablenkung bestens sitzt. Vielleicht wissen viele einfach nicht, wie großartig man durch Klassische Konditionierung die Abrufbarkeit verbessern kann. Deshalb erkläre ich es hier noch einmal.

 

Was bringt eine Hundepfeife?


Naja, die Pfeife allein bringt gar nüscht. Sie muss schon richtig eingesetzt werden, damit der Rückruf mit Pfeife klappt. Dabei machen wir uns die Klassische Konditionierung zunutze. Hier wird ein neutrales Signal (Pfiff) mit einem Reiz (Futterbelohnung) verknüpft, so dass der Hund nach vielen, vielen Wiederholungen ohne zu überlegen oder abzuwägen die konditionierte Reaktion (Herankommen) zeigt. Bei entsprechend kleinschrittigem Aufbau fungiert die Pfeife später auch als Abbruchsignal, wenn der Abruf sehr schwierig ist (etwa aus dem Spiel heraus, beim Buddeln oder bei unerwünschten Verhaltensweisen).

 

Weitere Vorteile einer Hundepfeife sind: Sie ist auch über weite Strecken hörbar und ist ein neutrales Signal. Das heißt, sie vermittelt keine Emotion wie Ärger oder Ungeduld. Und: Sie kann ganz bequem parallel zum normalen Rückruf trainiert und eingeführt werden.

Welche Hundepfeife und welches Pfiffsignal soll man wählen?

  • Bitte immer eine Pfeife mit auch für Menschen hörbaren Ton wählen, keine Hochfrequenzpfeife.
  • Der Ton muss immer gleich sein, auch bei verschiedener Witterung; am besten schafft man gleich mehrere Pfeifen eines gängigen Modells an.
  • Vorab überlegen, wie man pfeifen möchte: zum Beispiel Doppelton, Doppelton unterschiedlicher Länge oder langer Einzelton.
  • Das Signal muss immer gleich bleiben!
  • Maximal zweimal pfeifen, sonst macht man das Signal kaputt.

Jetzt geht's los


Die ersten Wochen wird nur drinnen trainiert. Der Zeitplan der Konditionierung variiert von Hund zu Hund und kann individuell angepasst werden. Grundsätzlich gilt aber bei der Pfeife: Je länger man einen Trainingsschritt übt, desto besser!

 

Die ersten zwei Wochen

Hund steht neben einem -> pfeifen -> Napf mit Futter hinstellen (gleichzeitig, bzw. max 1 Sekunde später!)

Dann nochmals zwei Wochen

Hund ist nicht in der Küche, man lässt ihn vor der Tür warten -> pfeifen -> Napf geben

Dann noch einmal drei Wochen

Der Hund ist irgendwo in der Wohnung ohne große Ablenkung ->  pfeifen -> Napf geben bzw. Spezial-Mega-Leckerli einführen, das es nur in Verbindung mit der Hundepfeife gibt. Das Leckerli muss richtig hochwertig sein und kann in der Menge variieren.
Wenn der Pfiff ohne Ablenkung gut klappt, kann die Ablenkung drinnen langsam gesteigert werden. Der Hund wird jetzt beispielsweise aus dem Spiel abgerufen oder bei der Begrüßung einer Bezugsperson.

 

Auch wenn alle in den Startlöchern stehen: Kleine Trainingsschritte sind besser!
Auch wenn alle in den Startlöchern stehen: Kleine Trainingsschritte sind besser!

Jetzt geht's raus!

 

Nur wenn der Rückruf drinnen bombenfest sitzt, geht es nach draußen. Für das Training draußen wird der Napf komplett durch das Mega-Leckerli ersetzt.

Die ersten zwei Wochen wird auch draußen wieder in reizarmer Umgebung geübt! Hier soll es keine Ablenkung durch Wild, andere Hunde, Verkehr etc. geben! Nur, wenn das sehr gut klappt und sich der Hund auf den Pfiff hin sofort umdreht und kommt, wird die Ablenkung langsam gesteigert. Am besten wird der Hund dazu zunächst an der Schleppleine geführt. Aber Vorsicht: Niemals den Hund "heranangeln" mit der Leine!

Wenn die Ablenkungen langsam gesteigert wurden und der Abruf mit der Pfeife klappt, dann geht es an die Feuerprobe: Nun pfeift man, wenn der Hund beispielsweise buddelt oder mit anderen Hunden spielt. Aber auch hier am besten erst einmal einen Moment abpassen, in dem der Hund gerade aufschaut. Macht es dem Hund zu Beginn so einfach wie möglich!

Kleinschrittig!

 

Wenn der Trainingsschritt zu groß war und der Hund nicht abgerufen werden kann, sollte die Situation analysiert werden und der ablenkende Reiz vorerst weggelassen oder erst einmal vorsichtiger dosiert werden.

 

Wichtig: Regelmäßig üben, auch wenn das Kommando zuverlässig sitzt. Auch kann der Pfiff immer mal wieder bei der Fütterung zuhause aufgeladen werden.

Für Hunde, die sich durch Futter kaum oder gar nicht motivieren lassen, kann die Pfeife auch mit einer anderen Belohnung gekoppelt werden, etwa mit einem Zergelspiel oder einem Ballwurf. Man kann auch unterschiedliche Pfiffe (Arbeitspfiffe) nutzen und so dem Hund ankündigen, dass als Belohnung eine Arbeit folgt, die ihm Spaß macht (z.B. eine Verlorensuche, Flächensuche, Dummysuche, oder ein Apportierspiel).

 

Übrigens: Hundepfeifen gibt's bei mir im Shop. Viel Spaß beim Trainieren! ♥

 

Beitragsfoto Pudel: Steffi Atze

Inhaberin: Isabel Boergen ♥ Hundetrainerin

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