Kind und Hund: Der große Überblick

Juchu, ein Hund! Wichtige Fragen vor der Anschaffung

 

Die meisten Kinder wünschen sich irgendwann ein Haustier. Ganz oben auf der Liste steht häufig der Hund. Hier erfahren Sie die wichtigsten Grundregeln im Umgang von Kindern mit Hunden, was man vor der Anschaffung bedenken sollte, wie man Stress und Beißvorfälle vermeidet und welche Aktivitäten für Kind und Hund geeignet sind.

 

Bevor ein Hund bei Ihnen einzieht, sollte vor allem eines klar sein: Die Zuständigkeit. Kinder versprechen einem ALLES, wenn es um die Anschaffung eines Haustieres geht. Das Problem ist, dass sie die Verantwortung weder überblicken, noch tragen können. Und das gilt nicht nur für Kleinkinder, sondern auch für Teenager. Verantwortlich sind deshalb immer die Eltern!

 

Ein Hund lebt bis zu 18 Jahre, er benötigt täglich viel Pflege, Aufmerksamkeit und Bewegung, er kostet Geld, viel Geld.

Sind Sie als Eltern bereit, über eine solche Zeitspanne ausschließlich für das Tier zu sorgen?
Ist Ihnen bewusst, dass Sie den Hund im Alltag, bei Arbeit, Urlaubsplanung, Freizeitgestaltung und Wohnungssuche mit einplanen müssen?

 

 

Verfügen Sie über die notwendigen Mittel, um langfristig für Futter, Ausstattung, Tierarzt, Steuer und Versicherung aufzukommen?
Haben Sie die Zeit für einen Hund? Und, ganz wichtig: Haben Sie überhaupt Lust auf einen Hund?

Nur, wenn Sie alle diese Fragen mit "ja" beantworten können, sollten Sie einen Hund als Familienmitglied ernsthaft in Betracht ziehen.

 

Familienhund: Welche Rasse?

Gleich mal vorneweg: DEN Familienhund gibt es nicht. Hunde sind Individuen, und die Gene bestimmen längst nicht alles. Aber eben einiges. Deshalb kann man bei der Auswahl der Rasse auf bestimmte Eigenschaften achten. Ein Hund, der mit Kindern zusammenlebt, sollte über eine hohe Frustrationstoleranz und eine hohe Reizschwelle verfügen. Geräuschempfindliche Hütehunde oder selbstbewusste Terrier sind sicherlich nicht die erste Wahl.

Auch die Größe ist entscheidend, ebenso wie die Bedürfnisse des Hundes. Bedenken Sie, wofür der Hund ursprünglich gezüchtet wurde (Jagd, Herdenschutz, Schafe hüten, Hofhund) und überlegen Sie, ob die Bedürfnisse des Hundes kompatibel sind mit Ihrem Leben. Begleithunde wie Malteser, Mops oder Pudel sind sehr menschenbezogen und könnten daher besser in eine Familie passen als ein passionierter Jäger oder Arbeitshund.

Lassen Sie sich bei der Auswahl nicht vom Aussehen leiten, sondern von charakterlichen Eigenschaften, Anpassungsfähigkeit und hoher Stressresistenz.

 

Haben Sie sich für eine Rasse entschieden, achten Sie darauf, dass der Hund bereits beim Züchter positive Kontakte mit Kindern hat! Hunde aus dem Tierschutz sind häufig Überraschungspakete und die Beschreibungen der Tierschutzorganisationen treffen nicht immer zu. Der Welpe oder erwachsene Hund sollte keinerlei Scheu oder Ängstlichkeit gegenüber dem Kind zeigen und am besten mit Kontakt zu (verständigen) Kinder aufgewachsen sein.

 

Das muss der sich gefallen lassen! Ne, muss er nicht!

Der wohl gefährlichste Irrglaube ist, dass der Hund sich vom Kind alles gefallen lassen muss, weil das Kind "im Rudel über ihm seht" oder dergleichen. Nein! Denn der Hund ist ein Lebewesen, kein Stofftier. Von keinem Tier der Welt darf man verlangen, sich vom Menschen alles gefallen zu lassen. Und davon abgesehen ist dieser ganze Rangordnungsblödsinn nicht richtiger, je häufiger man ihn wiederholt. Denn Menschen und Hunde bilden kein Rudel! Diese völlig veraltete und auch zu keinem Zeitpunkt richtige Aussage hat viel Leid über unsere Hunde und Familien gebracht und ist mitursächlich für viele vermeidbare Beißunfälle.

 

 

Deshalb gilt als oberste Regel:

Schützen Sie den Hund vor den Kindern!

 

Hunde haben Bedürfnisse, die es zu respektieren gilt. Allen voran steht das Bedürfnis nach Nähe und Kontakt, ebenso wie nach Ruhe und Abstand. Sorgen Sie dafür, dass der Hund einen sicheren Platz oder eine Box hat, an dem er sich jederzeit zurückziehen kann und auf dem er von niemandem bedrängt, belästigt oder gestreichelt wird. Diese Tabu-Zone ist nur für den Hund da. Wenn ein Kind noch zu klein ist, um das zu verstehen, kann durch ein Kindergitter ein Bereich oder ein Zimmer abgetrennt werden. Ebenso können Sie das Kinderzimmer zur Tabu-Zone für den Hund erklären und über ein Kindergitter absichern.

 

Kind und Hund: Wichtige Regeln auf einen Blick

Auch der kinderliebste Hund, der aus dem Schlaf hochschreckt oder der beim Fressen gestört wird, kann mit Abwehrverhalten reagieren. Deshalb sind die folgenden Grundregeln so wichtig, denn sie schützen nicht nur den Hund, sondern in erster Linie Ihr Kind!

  • Lassen Sie Kind und Hund niemals unbeaufsichtigt. N-I-E-M-A-L-S.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Hund einen kinderfreien Lieblingsplatz hat, an dem er ungestört ist.
  • Niemand darf den Hund beim Schlafen stören oder erschrecken.
  • Kinder dürfen den Hund niemals beim Fressen oder Kauen stören!
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht allein mit dem Hund Gassi gehen.
  • Ein Kind hat einen Hund nicht zu maßregeln oder zu erziehen.
  • Lassen Sie Kind und Hund keine stürmischen Rennspiele oder Zerrspiele spielen.

Kind und Hund: Was Sie auf keinen Fall zulassen sollten

Fatalerweise entstehen viele brenzlige Situationen ausgerechnet dann, wenn ein Kind eigentlich seine Liebe zum Hund kundtun möchte. Umarmungen, Küsschen oder andere Ausdrucksformen kindlicher Liebe sind für den Hund jedoch meist extrem unangenehm und stressbeladen.

 

Deshalb sollten Kinder dürfen den Hund nie und zu keiner Zeit:

  • anstarren, bedrängen, in die Ecke treiben
  • jagen, hinterher rennen
  • zwicken, kneifen, schlagen
  • am Fell, an den Ohren oder am Schwanz ziehen
  • auf dem Hund reiten oder auf dem Hund herumklettern
  • dem Hund hinterhergehen, wenn er weg geht
  • den Hund hochheben und herumtragen
  • den Hund umarmen oder festhalten
  • den Hund gegen seinen Willen streicheln
  • den Hund am Halsband Geschirr oder der Leine herumziehen

Es ist mir zu viel! Stresssignale beim Hund

Lange, bevor ein Hund knurrt, abschnappt oder verletztend zubeißt, hat er bereits viele, viele Signale gesendet, die einfach übergangen wurden. Solche Stresszeichen müssen Sie als Hundehalter*in kennen, nicht nur, wenn Sie Kinder haben. Sie sind so wichtig, um den Hund einschätzen zu lernen, um ihn aus stressigen Situationen herauszuholen und belastende Ereignisse wirksamer zu vermeiden.

Häufige Beschwichtigungssignale des Hundes, wenn er in Stress gerät:

 

  • Blinzeln
  • Kopf abwenden
  • über den Fang lecken, züngeln
  • Gähnen
  • Kratzen
  • Pfoten anheben
  • Hecheln
  • Erstarren
  • Rammeln

 

Natürlich gähnt ein Hund auch einmal, wenn er müde ist, oder er kratzt sich, wenn es ihn juckt. Aber Sie werden sofort bemerken, dass es sich um Stressignale handelt, weil diese Handlungen eben in Situationen auftreten, in denen sie unpassend erscheinen.

Helfen Sie Ihrem Hund aus der Situation, wenn er diese Signale zeigt. Warten Sie nicht ab, bis er "deutlicher" werden muss.

 

Wenn der Hund das Kind anknurrt

Wenn ein Hund knurrt, wurden bereits viele Signale seinerseits nicht beachtet und einfach übergangen. Ihr Hund hat nichts falsch gemacht. Vielmehr ist er gezwungen, immer klarer zu kommunizieren, weil die subtile Körpersprache nicht wahrgenommen wurde. Strafen Sie niemals einen knurrenden Hund! Knurren gehört zur hündischen Kommunikation und ist zunächst einmal kein Grund zur Panik. Nehmen Sie Ihr Kind und den Hund aus der Situation und analysieren Sie, was passiert ist und wie Sie solche Vorkommnisse in Zukunft vorher besser entschärfen können.

Ein Hund, der knurrt, gibt einem Zeit. Wird das Knurren unterbunden, wird er auf der Eskalationsskala weiter nach oben gehen und möglicherweise sofort mit Abschnappen oder Schnappen reagieren. Kein schöner Ausblick.

 

Wenn der Hund zu stürmisch ist

So, wie es klare Regeln für das Kind gibt, muss auch der Hund ein paar Dinge lernen. Manche Hunde sind derart begeistert von Kindern, dass sie schon mal einen kleinen Erdenbürger umrennen oder ungestüm bedrängen. Auch das darf nicht sein. Loben und belohnen Sie Ihren Hund für ruhiges Verhalten. Trainieren Sie eine adäquate Begrüßung mit Ihrem Hund, so dass alle vier Pfoten auf dem Boden bleiben.

Bedient sich der Hund an Spielsachen und Stofftieren Ihres Kindes, ist in erster Linie Management angesagt: Mit Türgittern können Sie die Tabuzone Kinderzimmer sichern. Bieten Sie Ihrem Hund Alternativen, an denen er sich abreagieren kann.

 

Ohne Regeln geht es nicht: Auch der Hund muss lernen, sich dem Kind gegenüber höflich zu verhalten.
Ohne Regeln geht es nicht: Auch der Hund muss lernen, sich dem Kind gegenüber höflich zu verhalten.

Kind und Hund: Rechtliches und Haftung

Darf ein Kind oder gar Kleinkind mit einem Hund alleine spazierengehen? Wenn Kinder Hunde ausführen, gibt es einiges zu beachten. Denn im Schadensfall kann es sein, dass die Versicherung nicht zahlt, wenn ein Kind den Hund an der Leine geführt hat.

Eine starre Altersgrenze gibt es nicht. Die einzelnen Bundesländer haben jedoch Hundehalterverordnungen (Ordnungsbehördliche Verordnung über das Halten und Führen von Hunden (HundehV), in denen das Führen von Hunden durch Minderjährige geregelt ist.

Kernaussage in den meisten Verordnungen ist, dass man "körperlich und geistig die Gewähr dafür bieten muss, jederzeit den Hund so beaufsichtigen zu können, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden.“

 

Kleinkinder sind weder körperlich, noch geistig in der Lage, diese Vorgabe zu erfüllen. Je nach Größe des Hundes sind auch Kinder im Grundschulalter kräftemäßig nicht fähig, einen Hund sicher zu halten und zu führen.

Auch benötigt ein Kind das nötige KnowHow zum Ausführen eines Hundes. Leinenhandling, Hundebegegnungen, Kot aufsammeln, nicht an der Leine herumzerren: Auch das muss ein Kind alles erst einmal lernen. Das bedeutet viele gut angeleitete Spaziergänge unter Aufsicht sollten erst einmal Priorität haben, ehe ein Kind oder Jugendlicher mit dem Hund alleine nach draußen darf.

 

Wichtig ist also, dass das Kind über ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein verfügt, dem Hund körperlich gewachsen ist und darüber hinaus weiß, was es in bestimmten Situationen tun muss. Wann dies der Fall ist, kann pauschal nicht beanwortet werden. Aus Sicherheits- und Haftungsgründen sollte deshalb sehr genau abgewägt werden, wann einem Kind eine solche Verantwortung übertragen werden kann.

 

Beschäftigung & Aktivitäten: Was Kindern und Hunden Spaß macht

Puh, ganz schön viele Verbote, mögen Sie jetzt vielleicht denken. Ja, das Zusammenleben von Hund und Kind erfordert einiges an Management, an Regeln und Schutzmaßnahmen für alle Seiten. Aber es gibt auch eine Menge Dinge, die Hunde und Kinder zu wirklich guten Kumpels macht. Es gibt eine Vielzahl an Aktivitäten und Beschäftigungsmöglichkeiten, die Kindern und Hunden gleichermaßen Spaß machen.

 

Tricktraining

Wenn Sie einen Hund haben, der gerne Tricks lernt, können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ins Clickertraining einsteigen. Kinder haben häufig ein sehr gutes Timing und die Hunde lernen rasend schnell Neues. Wie wäre es also mit Männchen, Pfote geben, Rolle, Tot stellen, Übungen an Bodentargets oder Dog Dancing?

 

"Sprechen" lernen

Besonders schön sind Übungen, die das Verständnis für den Hund und seine Ausdrucksformen fördern. Wie sieht der Hund aus, wenn er glücklich ist? Wenn er etwas möchte? Was hat der Hund für eine Körpersprache, wenn er unsicher oder ängstlich ist? Beobachten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind den Hund und schreiben Sie auf, wie sein Gesicht, seine Ohren, seine Körper- und Schwanzhaltung aussieht. Das hilft enorm dabei, mehr Verständnis für die feinen köpersprachlichen Signale der Hunde zu bekommen. 

Umgekehrt kann auch der Hund "sprechen" lernen. Unsere Sprache kann der Hund ja nicht wirklich verstehen - die Bedeutung einzelner Worte kann er aber sehr wohl lernen. Gemeinsam mit dem Kind kann man so nacheinander Spielzeuge des Hundes benennen und anzeigen lassen.

 

Hütchenspieler

Beliebt ist auch das Hütchenspiel: Nehmen Sie oder Ihr Kind dazu einige Plastikbecher oder Blumentöpfe und stellen sie nebeneinander auf. Nun wird ein Leckerchen unter einem der Becher versteckt. Wetten, dass der Hund das Futter schnell findet?

Wer es gern schwieriger mag, kann dem Hund auch eine Anzeige beibringen, zum Beispiel, dass er sich vor dem richtigen Becher ablegt oder mit der Nase daran stupst.

 

Sachen suchen

Auch Suchspiele eignen sich hervorragend für Kind und Hund.

Lassen Sie den Hund sitzen und warten, oder halten Sie ihn fest. Das Kind darf nun sein Lieblingsspielzeug verstecken und den Hund in die Suche schicken. DIe Verstecke dürfen mit der Zeit ruhig etwas schwieriger werden.
Ältere Kinder können dem Hund beibringen, einen bestimmten Geruch zu suchen. Oder Sie trainieren mit Ihrem Hund, Champignogns zu suchen. Wetten, dass der nächste Ausflug für alle ein großer Spaß wird?

 

Futter suchen

Warum aus dem Napf fressen? Eine Futterration Trockenfutter kann der Hund sich in der Wohnung oder der Wiese selbst suchen. Denn Nasenarbeit macht Hunde glücklich. Suchspiele können Sie draußen wie drinnen spielen; sie sind deshalb auch schon für kleine Kinder toll geeignet.

 

Leberwurstbaum

Lassen Sie Ihr Kind einen Lebewurstbaum für den Hund zaubern: Dazu einfach Hundeleberwurst an einem Baum verteilen. Wenn der Hund sich richtig strecken muss, um an die Wurst zu gelangen, hat er gleich noch ein wenig Hunde-Yoga-Stretch als schönen Nebeneffekt.

 

Achten Sie beim Training darauf, dass der Hund Spaß hat und nicht überfordert wird. Bei Hunden, die Leckerlis sehr grob aus der Hand nehmen oder aufgeregt auf Futter reagieren, sollte das Kind nicht selbst oder auf den Boden belohnen.

 

Hunde sind wunderbar. Kinder sind wunderbar.

 

Mit der richtigen Anleitung können Kinder und Hunde beide voneinander lernen und profitieren. Vielleicht ist es mit das Schönste, was ein Kind von Hunden lernen kann: Ein anderes Lebewesen einfach mal sein zu lassen, zuzuschauen, seine Bedürfnisse kennenzulernen und seine Fähigkeiten zu bestaunen. 

 

Denn wer das schafft, wird mit einer bedingungslosen Zuneigung belohnt, die Kinderseelen und auch Erwachsenenseelen einfach gut tut.

 

 

 

Fotos: Cordula Treml und Steffi Atze ♥

Inhaberin: Isabel Boergen ♥ Hundetrainerin

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